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- Wie es zur Zusammenarbeit zwischen der Pfarrei von Belorado und den Amis du Chemin de St-Jacques aus der Schweiz kam

Die Zusammenarbeit zwischen der Pfarrei von Belorado und der schweizerischen Vereinigung der Freunde des Jakobsweges (im Folgenden "Vereinigung") reicht in die frühen 90er Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Einzelne Schweizer Pilger hatten sich nach ihrer Rückkehr aus Santiago, zum Teil aus Dankbarkeit für erfahrene Gastfreundschaft auf dem eigenen Weg, zum Teil auch aus Freude am Kontakt mit andern Pilgern, für den Dienst als Hospitaleras/Hospitaleros unter anderem in Belorado zur Verfügung gestellt. Zu dieser Zeit bestand in Belorado bereits eine sehr bescheidene Pilgerunterkunft - das "Teatrillo", ein ehemaligs kleines Theater. Es handelt sich dabei um einen Anbau an die Kirche Santa Maria und gehört der Pfarrei, weshalb sie denn auch "Albergue Parroquial" genannt wurde.

Evelyn Schaad war eine dieser Hospitaleras der ersten Stunde. Auf ihre Anregung wurde 1995 von der "Vereinigung" eine finanzielle Unterstützung der Pfarrei von CHF 20'000.- zur Durchführung einer ersten Renovation gesprochen. Mit diesem Geld konnte die Pfarrei in eigener Regie ein Minimum an Hygiene und Sicherheit schaffen.

Die Zusammenarbeit beschränkte sich jedoch nicht nur auf das Finanzielle, sondern es wurde auch vereinbart, dass die "Vereinigung" in einem Turnus von April/Mai bis Oktober, also während der Haupt-Pilger-Saison, Hospitaleras und Hospitaleros zum Führen der Herberge stellen würde.

Evelyn Schaad und Rose-Marie Bellmann waren die ersten Verantwortlichen der Herberge. Mit sehr bescheidenen Mitteln und unter grossem persönlichem Engagement wurde den Pilgern ein gemütliches und sauberes Übernachten ermöglicht. Die besondere Atmosphäre des Teatrillo mit seinen 24 Plätzen sprach sich schon bald herum und viele Pilger kamen gezielt in diese Herberge.

Im Ort Belorado stand zu dieser Zeit den Pilgern nur eine sehr beschränkte Bettenzahl zur Verfügung. Die stetig steigenden Pilgerzahlen stellten deshalb die wenigen Beherbergungs- Anbieter vor immer grössere Probleme. Bereits im Jahre 2000 wurden in "unserer Herberge" durchschnittlich 60 Pilger/Nacht beherbergt. Dazu genügten die Räumlichkeiten des Teatrillo bei weitem nicht mehr, weshalb eine nahe gelegene Garage dazu gemietet wurde, die unser Bettenangebot um über 30 erhöhte.

Es war die Zeit der grössten Explosion der jährlichen Pilgerzahlen. Im August 2001 zählte man 100-120 Pilger pro Nacht, weshalb auch die Pfarrei-Bibliothek vorübergehend in den Sommermonaten zweckentfremdet und in eine Pilgerherberge umgewandelt wurde. Die engen Verhältnisse und die hygienischen wie auch sicherheitsmässigen Bedingungen entsprachen nun weder den Vorstellungen unserer "Vereinigung" noch den spanischen Behörden. Diese wurden aufgrund von Pilger-Hinweisen auf die Verhältnisse - nicht nur in Belorado, sondern auf dem ganzen Camino - aufmerksam und verlangten deutliche Verbesserungen. Unsere "Vereinigung" bot den Pfarrherren als den Eigentümern der Herberge erneut finanzielle Unterstützung zur Behebung der gröbsten Defizite an. Die Prioritäten der Pfarrherren lagen jedoch bei den Plänen für eine neue Herberge, weshalb die Wünsche unserer "Vereinigung" etwas auf die lange Bank geschoben wurden. Schliesslich führten sie aber doch einige Verbesserungen durch. In der Schweiz wurde von der "Vereinigung" gleichzeitig ein Spezialfonds zur zukünftigem Finanzierung von Unterhalt und Renovation der Herberge in Belorado beschlossen.

Die fehlenden Betten sowie auch die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung des Pilgerwesens für die Gemeinden am Camino ermunterten die Gemeinde Belorado, eine eigene Herberge zu erstellen. Da die dortigen Hospitaleros von den Donativos abhängig waren, entbrannte eine kleiner Krieg um die Pilger. Schon weit vor dem Dorf wurden Hinweistafeln angebracht, um dem Pilger den "richtigen" Weg anzugeben. Viele Pilger nahmen denn auch diese neueren und attraktiveren Unterkunftsmöglichkeiten in Anspruch, weshalb die Übernachtungszahlen im Teatrillo zurückzugehen begannen.

Das Projekt einer neuen Herberge der Pfarrei wurde schliesslich beerdigt, denn es hatten sich mittlerweile genügend private Anbieter in dieses "Geschäft" eingeklinkt. Für unsere Hospitaleros war dies eine erfreuliche Nachricht, hatten sie, insbesondere auch Rose-Marie Bellmann, doch immer für die Beibehaltung des Teatrillo gekämpft, dessen Ambiance auf dem Weg von vielen Pilgern als einzigartig bezeichnet wurde. Allerdings war nun eine umfassende Renovation dringend, denn zwischenzeitlich hatte sich eine Wanzenplage auf dem ganzen spanischen Pilgerweg ausgebreitet und der Kampf gegen diese ungeliebten Biester verlangte nach rigorosen Massnahmen.

2005 übernahm Franz Fiedler die Verantwortung für die Herberge von Rose-Marie Bellmann. Rose-Marie hatte all diese Jahre mit einfachsten Mitteln und dem Einsatz von zahlreichen Freiwilligen eine Gruppe von Hospitaleras/-os geschaffen, die sich in diese interessante aber auch herausfordernde Aufgabe teilten. Franz erreichte nach einigen Mühen, dass im Frühjahr 2007, vor der Saison-Eröffnung, endlich eine grössere Renovation durch Freiwillige aus der Schweiz durchgeführt werden konnte.

Aufgrund des immer grösseren Bettenangebots in Belorado hat sich die Bettenbelegung im Teatrillo deutlich reduziert. Waren zB in der Zeit vom 1.-15.8. 2000 noch 1200 Pilger zu beherbergen, reduzierte sich diese Zahl im Jahre 2005 für die gleiche Periode auf 400 Pilger. Die Gesamtzahl an Übernachtungen im Jahre 2005 betrug noch 5'500.

Eine grosse neu errichgtete Herberge am Eingang des Dorfes mit über 100 Betten und Schwimmbad sog weitere Pilger auf, weshalb 2007 die Garage aufgegeben werden konnte. Die Pfarrei-Bibliothek wurde schon länger nicht mehr für Übernachtungen benutzt.

Das Bettenangebot in Belorado liegt heute bei rund 450 und genügt weitaus. Für die meiste Zeit ist gar ein Überangebot vorhanden, die Bemühungen um Pilger sind entsprechend gross. Die Angebote werden laufend ausgeweitet: Internet, Schwimmbad, abgetrennte Schnarcherräume, etc. gehören schon bald zur Grundausstattung. Für viele Pilger - man nennt sie heute etwas despektierlich Touri-Grinos (Touristen-Pilger) - ist das einfache Leben des Pilgers nicht mehr erstrebenswert. Das permanente Erreichbarsein, Internet und Komfort sowie Fun stehen oft im Vordergrund.

Das Teatrillo bleibt jedoch, was es von Anfang an war: eine wirkliche Pilgerherberge, die einen eigenen Charakter beibehalten hat (und beibehalten wird), ohne Internet oder Schwimmbad, dafür mit einer sehr persönlichen Betreuung, mit sauberen Räumlichkeiten und Betten, mit permanentem warmem Wasser in den vier Duschen/WCs, mit einer gut ausgerüsteten Küche zum Selber- oder gemeinsamen Kochen, mit einem guten Frühstück und selbstverständlich mit hoch motivierten Hospitaleras und Hospitaleros, die Zeit haben für Gespräche, die da sind, wenn man sie benötigt.

Seit 2014 ist Wolfgang Sieber für die Herberge in Belorado und die Zusammenarbeit mit den Pfarrherren verantwortlich.

Die Übernachtungen nehmen weiter ab und lagen 2015 bei rund 2'500.

Im Winter 2015/16 konnte in einer erneuten grossen Renovation die Herberge den heutigen Anforderungen in Bezug auf Hygiene und Sicherheit noch etwas besser angepasst werden, ohne seinen Charakter zu verlieren. Insbesondere konnten die vier Duschen mit Kabinen versehen werden. Die Bettenzahl wurde auf 20 reduziert, um die engen Verhältnisse etwas zu lockern und insbesondere wurde die alte Holztreppe durch eine feuerfeste Metallkonstruktion ersetzt, was die Sicherheit deutlich verbessert. In den Schlafräumen wurden Vinyl-Böden verlegt, um den Wanzen das Leben zu erschweren und den Hospitaleras/-os die Arbeit zu erleichtern. Zudem wurden alle Räume neu gestrichen. Kurz: die Herberge ist sowohl für die Pilger wie auch für die Hospitaleras/-os noch attraktiver geworden. Sie ist und bleibt ein Bijoux und ist einzigartig auf dem Camino!

Wolfgang Sieber

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Der Pfarrer der Pfarrei von Belorado stellt sich vor

Mein Name ist José Antonio Arroyo. Ich bin Diözesanpriester von Burgos und habe meine Weihen 1991 erhalten. Nach 6 Jahren Pastoralarbeit, zusammen mit einem Mitbruder, für rund 20 kleine Dörfer im Norden von Burgos habe ich mich für den Dienst in den Missionen vorbereitet. Im Januar 1998 bin ich nach Afrika in ein Land namens Togo gereist. In einer Kleinstadt im Norden des Landes namens Dapaong bin ich bis Juli 2015 geblieben. Unterbrochen wurde dieser Aufenthalt durch einen fünfjährigen Dienst in meinem Misssions-Institut in Madrid.

Vor etwas mehr als einem Jahr bin ich aus Afrika zurückgekehrt und habe mich in Belorado niedergelassen. Ich darf sagen, dass ich keine Schwierigkeiten hatte, mich an das leben hier zu gewöhnen. Meine Erfahrung der ersten Jahre als Priester und mein Aufenthalt in Madrid haben mich vorbereitet auf das, was ich in Spanien und seinen Dörfern finden würde. Klar, der Arbeitsrhythmus, das Leben insgesamt und viele kleine andere Dinge sind verschieden von denen in Afrika, aber der Geist, mit dem ich alles angehe, ist derselbe: es geht darum zu versuchen das Gesicht Christi zu sein überall dort, wo wir sind

Was für mich allerdings völlig neu war, ist der Jakobsweg und die ganze kleine Welt des Pilgerwesens, der Hospitaleros und der Herbergen. Ich kannte den Weg nur vom Hörensagen durch andere. Selber habe ich den Weg nicht gemacht, weshalb für mich alle diese Erfahrungen, das Leben und die Geschichten der Pilger unbekannt waren. Vor meiner Ankunft in Belorado konnte ich mir nicht vorstellen, dass eine so grosse Zahl von Menschen sich aufmachen um "den Weg" zu gehen. Es sind wirklich sehr viele und jeder ist mit seiner eigenen Geschichte unterwegs. Es ist ein eigenes Leben, das parallel zum täglichen Leben der Einwohner im Dorf verläuft, mit ihrer Arbeit und ihren Familien … Das ist wirklich etwas Besonderes und ich muss sagen, dass ich davon keine Ahnung hatte.

Seit ich in Belorado bin, habe ich die Betreuung der Pilger meinem Mitbruder José Manuel anvertraut, weshalb ich etwas wenig Kontakte zu den Pilgern habe. Dafür habe ich mich bemüht, möglichst nahe bei den Hospitaleros zu sein und zum guten Funktionieren der Herberge beizutragen, selbstverständlich unter voller Berücksichtigung der Vorgehensweise der jeweiligen Hospitaleros-Equipe.

In diesem Sinne hat auch die Zusammenarbeit mit dem Verein Freunde des Jakobsweges der Schweiz sehr gut funktioniert. Die Kommunikation mit dem Delegierten des Vereins und der Austausch von Meinungen und Ideen bezüglich der Projekte war regelmässig und effizient. Dank dieser guten Zusammenarbeit konnten einige bedeutende Verbesserungen in der Herberge vorgenommen werden, die wirklich nötig waren und die nun die Herberge wesentlich freundlicher und würdiger aussehen lassen.

Bei Beginn der Renovationsarbeiten war ich noch neu in Belorado und kannte natürlich die Berufsleute nicht, die benötigt wurden. Darum möchte ich an dieser Stelle all jenen bestens danken, die mir Kontakte zu den Handwerkern verschafft und mich auch ansonsten mit guten Ratschlägen unterstützt haben. Ich bin auch überzeugt, dass die Ratschläge und Bemerkungen der Hospitaleros dazu beitragen, die Herberge noch praktischer und effizienter zu gestalten. Gerne werde ich auch in Zukunft diese Hinweise aufnehmen. Ich bin zuversichtlich, dass auch der zweite Teil der Renovationsarbeiten im Winter 2016/2017 dank guter Zusammenarbeit die Herberge weiter verbessern wird.

Abschliessend möchte ich sagen, dass ich es ausserordentlich positiv empfinde, dass es in Belorado eine Herberge der Pfarrei gibt. Es hat sicher bereits ein sehr grosses Angebot für die Pilger in Belorado, aber was bei uns speziell ist, ist die Qualität des Empfangs. Der Pilger, der unsere Herberge aufsucht, sucht nicht die Bequemlichkeit und die Annehmlichkeiten der heutigen Zeit. Er sucht vielmehr etwas, was ihm hilft, den Weg im spirituellen Sinne zu gehen, wenn er seine Etappen und Kilometer hinter sich bringt. Der Glaube hilft ihm dabei. Wir müssen akzeptieren, dass bei so vielen Pilgern und Wanderern auch Leute unterwegs sind, die einfach vom System profitieren wollen. Wenn wir jedoch beitragen können, dass diejenigen, die den "richtigen" Weg gehen möchten, dies auch tun können, dann lohnt sich alle unsere Arbeit.

José Antonio Arroyo
(Uebersetzung: Wolfgang Sieber)

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